Unser Biber ist mit Jahrgang 1971 auch nicht mehr der Jüngste. Und sein Gelcoat zeigt das sehr deutlich: an einigen Stellen ausgekreidet und löchrig, an anderen – wir konnten es gar nicht glauben – schon fast bis aufs GFK durchpoliert. Und nicht nur der Gelcoat brauchte etwas Liebe. Uns war schnell klar, dass wir die eine oder anderen Glasfasermatte verlegen und einige Holzteile frisch lackieren müssen. Fast überall muss dabei geschliffen werden. Mit gutem Equipment geht das deutlich leichter und stressfreier. Ich will euch unsere Wahl deshalb vorstellen und erläutern.

Die hier vorgestellten Produkte wurden nicht gesponsert. Ich empfehle sie, weil ich selber dahinterstehe und die Resultate meiner Recherchen und Erfahrungen teilen möchte. Die mit einem Sternchen (*) gekennzeichneten Links sind Partnerlinks (Anzeigen). Mit Käufen über diese Links unterstützt du mein Boot-Projekt, ohne dass sich etwas an deinem Preis ändert. Für dich kostet es gleich viel, aber ich bekomme eine kleine Provision von Amazon.

Schleifmittel

Schleifpapier

Kurz und schmerzlos: Finger weg von billigem Schleifpapier! Kauft Qualitätsware, und so ziemlich alle Körnungen die es gibt. Für Holz ab 40/60 bis 400, für Gelcoat bis 1000 und mehr.

Günstiges Schleifpapier ist viel schneller stumpf, und das Papier selber reisst deutlich schneller. Auch von den Eigenmarken der grossen Baumärkte rate ich ab. Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht mit Schleifpapier von 3M, SIA, Klingspor oder Matador. Die verschiedenen Hersteller haben oft unterschiedliche Linien. Einige eignen sich auch zum Nassschleifen, andere bestehen nicht aus Papier sondern aus einer Textilunterlage. Das macht das Schleifpapier flexibler und stabiler, was insbesondere beim Schleifen von Metall von Vorteil sein kann. Ein bisschen von Allem und man merkt mit der Zeit, was man wie nutzen kann.

Gleiches gilt für Maschinen: kein billiges Schleifpapier, sondern nur Markenprodukte. Diese sind aber gerne teuer. Körnung über 400 sind auch eher schwer zu bekommen. Ein Tipp, der mir gegeben wurde: Schleifscheiben aus dem KFZ-Bedarf sind günstiger, haben eine höhere Standzeit und es gibt sie auch in Tausender-Körnungen. Ich habe die Scheiben von Woltersberger ausprobiert und bin sehr zufrieden damit. Es gibt sie beispielsweise als Set von 40 bis 800 (50 Scheiben). Diese lassen sich nass und trocken verwenden und eignen sich für Holz, aber auch Glasfaser und Metall. Das ist ein guter Grundstock, der schon für viele Arbeiten reicht.

Schleifvliess, Schleifschwämme und ähnliches

Es gibt eine Vielzahl von Schwämmen und Pads. Besonders hilfreich empfand ich die 3M Scotch Brite Schleifpads. Es gibt sie in unterschiedlichen „Körnungen“. Mit ihnen kann man beispielsweise Klampen gut schleifen, die Rundungen am Propeller feinschleifen oder auch mal Dichtungsmasse von einer Schraube entfernen.

Schleifschwämme können zwar manchmal praktisch sein, mir sind sie aber etwas zu teuer für die doch relativ begrenzte Standzeit. Da hole ich mir lieber einen guten Schleifblock oder befestige mit Sprühkleber Schleifpapier auf einem Stück Holz oder Metall. So haben ich für jeden Job die passendene Schleifhilfe.

Schleifgitter

Für mich bisher die grösste Neuerung in Sachen Schleifen. Schleifgitter sind gitterartige Schleifpapiere. Der Schleifstaub kann durch das Gitter entweichen und abgesogen werden. Gerade beim Schleifen von Gelcoat oder GFK dauert es massiv länger, bis das Schleifgitter zusetzt und verklebt. Die Schleifgitter kosten zwar deutlich mehr als Schleifpapier, halten aber auch länger. Sie können sogar ausgewaschen werden. Natürlich nutzen sie sich mit der Zeit auch ab. Aber im Gegensatz zu Schleifpapier kriegt man sie einfacher wieder sauber.

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit den Schleifgittern „Abranet“ von Mirka gemacht. Es gibt sie aber leider meistens nur in Grosspackungen. Bei Schleifmittel Kersting fand ich aber auch kleine Packungen. Manchmal lohnt auch der Blick auf ebay; allerdings führen die Shops nicht immer alle Körnungen. Das System taugt sowohl zum Einsatz auf der Maschine, als auch von Hand mit speziellen Haltern. Diese habe ich aber noch nicht ausprobieren können.

Nur wenige Ablagerungen am Rand nach langem Schleifen von Gelcoat. Ein Schleifpapier hätte sich in der Zeit vollflächig zugesetzt.

Für den Einsatz auf einer Maschine empfehle ich die Montage der Mirka Schutzauflage: Das Klett der Mirka Schleifgitter ist anders als jenes gängiger Maschinen. Die Schleifgitter haften selber nur mässig gut auf den Schleiftellern. Zudem schützt ihr das Klett des Tellers eurer Maschine. Teller sind teurer als eine neue Schutzauflage.

Für Arbeiten an GFK und Gelcoat von mir also eine klare Empfehlung für Schleifgitter. Aber auch beim Schleifen von Holz und Lack war ich bisher sehr angetan von den Schleifgittern. Aktuell nutze ich Schleifgitter aber auch normale Schleifscheiben auf meiner Maschine. Mal das eine, mal das andere. Mit der Zeit merkt man, was für welchen Job besser taugt.

Meine Schleifmaschine(n)

Das Arbeitstier

Begonnen habe ich meine Arbeiten mit einem Bosch Grün Schwingschleifer. Mit gutem Schleifpapier hat das ordentlich geklappt. Staub wurde zwar nicht so gut abgesogen, aber damit lernt man leben. Und langes Arbeiten geht ordentlich in die Hände. Aber als klar war, dass noch einiges an Schleifarbeit auf mich wartet, war klar, dass etwas besseres her muss. Hier macht sich dann die Mehrausgabe in eine professionelle Maschine schnell bemerkbar: die gekaufte Bosch Exzentermaschine hat eine hervorragende Staubabsaugung. Und kribbelige Hände durch Vibrationen gehören der Vergangenheit an. Bisher habe ich den Kauf meiner Bosch GEX 125-150 AVE Professional nicht bereut. Vorteil der Maschine: sie kommt mit einem 125mm und einem 150mm Teller. Ich nutze primär den 150mm Teller. Aber wenn dieser mal nicht passt, habe ich immer noch die Möglichkeit auf den kleineren Teller zu wechseln. Zudem lohnt die Version mit Koffer: alles inklusive Schleifscheiben ist schön verstaut und aufgeräumt.

Einzig wer viel an vertikalen Flächen oder gar über Kopf schleifen muss, sollte vielleicht eine andere Maschine ins Auge fassen: die Bosch gehört wohl zu den schweren ihrer Klasse. Preis-Leistung stimmt aber aus meiner Sicht und ich würde für Arbeiten am Boot in jedem Fall nochmal zu genau diesem Modell greifen. Und das Schleifbild des Exzenterschleifers finde ich auch deutlich besser als jenes des Schwingschleifers. Zudem hat man am Boot deutlich mehr runde Ecken. Ein weiteres Argument für eine runde Schleifscheibe!

Aber hier schon mal ein Gedanke, mit dem man sich anfreunden muss: über kurz oder lang muss eine zweite, kleine, handliche Maschine her. Weil in viele Ecken kommt man mit den grossen Maschinen nicht. Darum habe auch ich mehr als eine Schleifmaschine…

Der Exot

Bei Andy von Boatworks Today bin ich auf die Elektrofeile von Makita gestossen. Im Gegensatz zu vielen anderen, dünnen Elektrofeilen hat sie eine Bandbreite von 3cm, und ist gefühlt hier in Europa nicht so stark verbreitet wie in den USA. Man kann mit ihr beispielsweise Rundungen – von denen gibt es am Boot mehr als genug – gut und effizient bearbeiten. Auch zum Bündig-Schleifen von laminierten Glasfasermatten ist sie durch die Bandbreite und Leistung hervorragend geeignet.

Aber Vorsicht: Die Maschine ist zwar leicht und handlich, aber ein Biest. Mit 80er Papier frisst sie sich in Sekundenbruchteilen durch Gelcoat und GFK. Es bedarf einiges an Übung, bis man mit der Spitze präzise und sicher schleifen kann. Darum lieber feineres Schleifpapier (bspw. 180) nutzen. Ich habe auf Ebay Kleinanzeigen gebraucht die alte Version ohne Drehzahlregelung (9030) gekauft. Rückblickend muss ich sagen, dass ich um die Drehlzahlregelung der neuen Version (9031) zur Arbeit an Gelcoat und GFK froh gewesen wäre. So kann man ihr etwas von der Aggressivität nehmen und sie besser kontrollieren.

In meinen Augen ist die Makita Bandfeile 9031 nichts für Anfänger. Dennoch oder gerade deswegen lohnt sich bei einem grossen Refit die Investition in sowohl die Arbeit als auch das Üben damit. Gerade für die vielen Rundungen und oft schlecht zugänglichen Stellen ist sie unheimlich praktisch. Daher habe ich mich für einen Kauf entschieden. Sie fristet zwar ein Nischendasein, ist aber auf dem Gebrauchtmarkt auch sehr wertstabil. Wenn ihr Einsatz dann mal vorbei ist, kann sie jemand anderem dienen. Auf Langfahrt kommt sie also nicht mit.

Der Zwerg

Ein Dremel gehört sowieso in jedes Werkzeug-Kit. Ich habe ihn nicht nur mit Fräs-Aufsätzen fürs Auffräsen von Rissen und Löchern benutzt, sondern mit diversen Schleifaufsätzen auch zum Schleifen von kleinen Stellen, Konturen oder Ausweiten von Durchbrüchen. Ich empfehle gleich ein vollständiges Kit mit der biegsamen Welle. Der Dremel selber kann für gewisse Stellen doch etwas zu klobig und unhandlich sein. Die biegsame Welle hilft hier ungemein. Wir hatten schon einen Dremel. Müsste ich neu kaufen, würde ich aber den Dremel Multitool 3000-1 mit Welle und Koffer holen.

Schleifaufsätze (Fächerscheiben sowie Schleifbänder) bestelle ich auf Aliexpress. Und zwar gleich im 100er-Pack in jeder passenden Körnung. Die Schleifmittel halten nicht lange. Lieber einmal mehr wechseln, dafür immer beste Schleifleistung haben. Und letztlich ist auch das vermeindliche Markenprodukt gleich schlecht wie jenes aus dem 100er-Sack.

Der Alleskönner

Noch mehr als ein Dremel gehört ein Fein Multimaster ins Werkzeug eines Seglers. Primär gedacht zum Sägen, eignet er sich mit passenden Aufsätzen auch zum Schleifen. Bedingt durch seine Bewegung ist er aber nicht mit einem richtigen Schleifer vergleichbar. Sowohl hinsichtlich Leistung als auch hinsichtlich Schleifqualität. Dennoch kann ich mir Schleifarbeiten ohne ihn nicht vorstellen. Das hat zwei Gründe:

  1. Ich spare mir die Investition in einen Deltaschleifer; dieser ist mit passendem Aufsatz durch den Multimaster abgedeckt. Ich komme mit dem MultiMaster auch an Stellen, die ich mit der Bosch wegen Höhe oder Breite nicht erreichen kann. Auf die Unterseite eines alten Sägeaufsatzes kann ich mit Sprühkleber Schleifpapier kleben und kann mir so auch ganz schmale Schleifaufsätze herstellen.
  2. Mit dem Fein Profil-Schleif-Set kann ich normales Schleifpapier einspannen und zwischen Holzlatten schleifen. Mit etwas Geschick lassen sich auch eigene Profile herstellen und nutzen. Ursprünglich wohl gedacht für Nutbretter war dieser Aufsatz eine riesige Arbeitserleichterung für die Teak-Sitzbänke unseres Cockpits.

Ich kenne die Konkurrenzprodukte von Bosch und Konsorten nicht aus eigener Erfahrung, durfte aber unterschiedliche Fein-Modelle testen. Ich bin froh, dass ich das Modell mit verbesserter Vibrationsdämpfung besitze. Der MultiMaster ist deutlich entspannter zu halten. Ich ermüde weniger schnell. Beim Gebrauchtkauf einer alten Version also aufpassen: unbedingt ein Modell mit verbesserter Vibrationsdämmung wählen.

Schleifstaub

Staub lässt sich beim Schleifen nicht vermeiden. Und sowohl Teak- als auch Glasfaser- und Gelcoatschleifstaub sind nicht sonderlich gesund. Deshalb schleife ich nur mit einer 3M Gesichtsmaske mit passenden Filtern. Die Maske kommt mit Aktivkohlefilter und Staubfiltern. Ich nutze zusätzlich noch separate Staubfilter ohne den Gasfilteraufsatz. Dadurch ist die Maske leichter und handlicher; die Filter selber halten sehr lange. Mit ABEK-Filtern taugt die Maske auch gleich fürs Streichen und Laminieren. Einweg-Masken empfehle ich für längere Arbeiten nicht: sie dichten früher oder später nicht mehr sauber ab und verlieren ihre Wirkung, ohne dass man es merkt. Und für den Umgang mit Chemikalen braucht man sowieso eine richtige Maske.

Um den Staubsauger zu schonen nutze ich einen Abscheider. Diesen bastelt man sich einfach aus einem stabilen Behälter und einem passenden Zyklon-Filter. So verstopft der ganze Schleifstaub nicht den Staubsaugersack. Der Behälter lässt sich einfach leeren und reinigen. Ich komme so schnell an beispielsweise Teak-Schleifstaub (mit verdünntem Holzleim vermischt perfekt um Schraublöcher zu füllen), oder kann Sägespähne von unbehandeltem Holz auffangen und im Kompost entsorgen. Ja, irgendwie habe ich sogar mal einen Schraubenzieher eingesaugt. Auch den konnte ich rasch wieder bergen.

Da man für den Zyklon-Filter einen zusätzlichen Schlauch braucht empfehle ich gleich einen extra langen zu kaufen. So steht Staubsauger und Abscheider nicht mehr dauernd im Weg rum. Ich habe ein Staubsaugerschlauch-Set aus dem Baumarkt, rückblickend hätte ich aber lieber noch 2-3m mehr. Online gibt es Staubsaugerschlauch als Meterware.

Und zu guter Letzt: Niedergang, Luken, Kisten und Durchlässe abdecken oder verschliessen. Plastikfolie und Klebeband ist dein Freund.

Fazit

Die Investition gutes Equipment lohnt aus meiner Sicht nicht nur finanziell (längere Standzeit von Schleifmitteln, geringerer Wertverlust der Maschinen), sondern auch weil das Arbeiten deutlich entspannter und stressfreier wird. Schleifen gehört jetzt nicht zu meinen Lieblingstätigkeiten. Verglichen mit der restlichen Arbeit am Boot geht auch erstaunlich viel Zeit fürs Schleifen drauf. Gerade aus dem Grund bin ich froh, dass wir jetzt gute Maschinen und gute Schleifmittel haben. Das Arbeiten geht leichter, schneller und es nervt etwas weniger. Weil eines ist klar: ums Schleifen kommt man am Boot nicht rum!