Wenn an Bord etwas abgedichtet werden muss, nimmt man normalerweise Sikaflex oder ein ähnliches Produkt. Ich habe einige Erfahrung mit Sikaflex 291i gesammelt – der Klassiker unter den Dichtmassen, der irgendwie für fast alles geht. Die Fenster habe ich mit Sikaflex 295 UV eingebaut; das dichtet nicht nur, sondern klebt zusätzlich auch noch.

Eigentlich ist das Zeug ja super. Ausser dann, wenn man es überall auf sich selbst und im ganzen Boot verteilt. Oder dann, wenn der Tubeninhalt genau dann hart und bröcklig geworden ist, wenn man es wirklich gebraucht hätte. Oder dann, wenn man es doch mal wieder entfernen möchte. Zum Beispiel, weil es nach dem Aushärten plötzlich nicht mehr schön gedichtet hat.

Aber was will man machen, es gibt ja eh keine Alternativen. Oder? Doch!

Butyl statt Sika

Es gibt da etwas ganz wunderbares, das heisst Butylschnur. In der Autobranche wird Butyl schon lange benutzt, im Bootsbereich ist es noch nicht ganz so bekannt. Ich erkläre hier kurz, wieso ich Butyl in manchen Bereichen besser finde als Sikaflex. Und in welchen Bereichen Sikaflex wiederum besser ist.

Warum ich Butyl toll finde:

  • Es gibt keine Schweinerei
  • Es bleibt weich und wird nicht spröde
  • Es lässt sich auch nach Jahren noch leicht entfernen
  • Es bleibt lange dicht
  • Bei Verbindungen, bei denen 2 Sachen zusammengepresst werden, hält es sehr zuverlässig dicht
  • Es ist einfach zu dosieren; man kann beliebig hinzufügen und wegnehmen
  • Man hat keinen Zeitstress beim Anbauen von Decksbeschlägen
  • Es ist günstig

Manchmal muss es aber Sika sein:

  • Wenn etwas keinen Presssitz hat, ist Butyl das falsche. Es ist kein Füllstoff!
  • Bei wiederholtem Kontakt mit starken Lösungsmitteln, Benzin oder Diesel ist Vorsicht geboten
  • Unter der Wasserlinie gibt es zu wenig Erfahrungswerte
  • Wenn man einen Spalt füllen muss

Zuverlässiges Abdichten mit Butyl: step by step

Das Abdichten mit Butylschnur geht im Grunde einfach, ein paar Sachen sind jedoch zu beachten. Hier eine kleine Anleitung, Schritt für Schritt:

  1. Löcher ansenken!
    • Man kennt ja die bekannten Haarrisse, hairline cracks oder spider cracks. Diese fiesen Mikrorisse entstehen bei Belastung des Laminats, zum Beispiel bei  Relingsfüssen, Klampen und Püttingen. Dort kann dann Wasser in den Gelcoat und ins darunterliegende Laminat – nicht gut. Die Haarrisse entstehen oft, weil sich der Decksbeschlag minim bewegt, der Gelcoat aber hart ist und dann bricht. Hier hilft es, die Löcher, mit denen der Decksbeschlag angebracht ist, leicht anzusenken. Es reicht hier schon ein kleines bisschen.
  2. Flächen entfetten
    • Bevor das Butyl angebracht wird, nochmals schnell mit Aceton über die Flächen an Deck gehen, und auch die Schraubenköpfe kurz putzen. Falls vorher Silikon an diesen Stellen verwendet wurde, ebenfalls mit viiiiel Silikonentferner putzen!
  3. Schraubenköpfe mit Butyl umwickeln
    • Ein kleines Stück Butyl abreissen, eine Wurst formen und um den Schraubenkopf wickeln. Viel hilft viel – alles Überschüssige wird nachher eh wieder rausgedrückt, ist also kein Problem.
  4. Schrauben durch den Decksbeschlag stecken
    • Hierbei ist es wichtig, dass die Schraube bis zum Anschlag in den Decksbeschlag gesteckt wird und dass die Schraube nachher nicht zu viel gedreht wird. Vielmehr sollte die Mutter von unten gedreht werden. Wird die Schraube zu viel gedreht, kann es sein, dass man das ganze Butyl wieder herausdreht.
  5. Auf der Unterseite des Decksbeschlag Butyl anbringen
    • Um die Schraubenlöcher (dort stecken ja bereits die Schrauben durch) nun auch Butyl anbringen. Ebenso auf der gesamten Platte.
  6. Decksbeschlag aufs Deck drücken
  7. Rückseitig eine Ankerplatte („backing plate“) anbringen und die Muttern anziehen
    • erstmal nicht Vollgas anziehen. Es wird einiges an Butyl rausquillen. Das lässt man einfach erstmal so. Das ganze soll sich etwas setzen können.
  8. Schrittweise anziehen
    • Nach ein paar Stunden etwas mehr anziehen, am nächsten Tag nochmal ein bisschen anziehen, am übernächsten Tag wieder
  9. Überstehendes Butyl abschneiden oder vorsichtig entfernen
    • nicht dran ziehen, sonst zieht man plötzlich mehr raus, als einem lieb ist.

Ergiebigkeit von Butylschnur

Noch ein riesiger Vorteil: das Zeug ist sehr ergiebig. Ich habe vor ein paar Monaten eine 16 Meter Rolle mit 3mm starker Butylrundschnur angefangen und damit alle Decksbeschläge am Heck neu abgedichtet (Klampen, Curryklemmen, Winschen, Lippklampen, Flaggenhalter, Grill-Fuss) und die Rolle ist nicht mal annähernd halb leer. 3mm finde ich eine gute Dicke. Falls man viel mehr Material braucht, macht man einfach 2 Streifen nebeneinander. Und falls es dünner sein muss, dann zieht man das Butyl einfach wie einen Kaugummi in die Länge.

Hier meine Shoppingempfehlung: Butylrundschnur

Und noch ein kleiner Tipp…

Wenn man irgendwo mal ein Loch hat – von einem alten Decksbeschlag o.ä. – und man hat gerade keine Lust, ein riesiges Harz-und-Gelcoat-Projekt zu starten, dann kann hier auch Butyl hilfreich sein! Einfach ein passendes Schräubchen für das Loch finden, den Schraubenkopf mit Butylschnur umwickeln, ab ins Loch und fertig! Sieht vielleicht nicht supertoll aus, hält aber dicht und schützt das Laminat.