Dies ist die Geschichte von unserem ersten gemeinsamen Boot. Alles begann mit einer Jantar 21 – mein Vater schenkte uns seine Jantar als Hochzeitsgeschenk, weil er sagte, er brauche sie nicht mehr und sie wäre perfekt für unsere Bedürfnisse am Zürichsee. Schon vorher spielten wir mit dem Gedanken, uns ein Boot zu kaufen, aber so richtig konkret war der Plan noch nicht. Und so eine Lösung auf dem Silbertablett präsentiert zu bekommen, das ist natürlich verlockend! Ende Mai fuhren wir also nach Nordholland um das Boot abzuholen und nach Hause zu bringen. Dafür mussten wir natürlich auch ein starkes Auto leihen, um den Anhänger ziehen zu können. Also fuhren wir mit dem Subaru unserer Freundin Ladina mit Zwischenstopp in Köln in die Niederlande. Dort angekommen, holten wir das Boot aus dem Wasser, stellten es auf den Anhänger und gleich nach dem Abendessen fuhren wir wieder in die Nacht hinein. Als wir müde wurden, hielten wir an einer Autobahnraststätte und schliefen zum ersten Mal in unserem eigenen Boot. Und zum letzten Mal, wie sich herausstellen würde. 

 

 

Am nächsten Tag gingen wir zwischen Zollbüros spazieren, sammelten Stempel und liessen Geld liegen. Das Prozedere dauert eine halbe Ewigkeit, aber am Ende des Tages waren wir 900 Schweizer Franken los und konnten endlich über die Grenze. Endlich, nach zwei Tagen auf der Autobahn, zwei Mal quer durch Europa! Angekommen zu Hause, wollten wir am Boot „nur ein paar Dinge erledigen“, neues Antifouling und dann los, um das Wasser und den Sommer zu geniessen. Bei näherer Betrachtung waren wir plötzlich entsetzt: Was ist das auf dem Rumpf? Blasen überall! Bevor wir Holland verliessen, waren wir offensichtlich so euphorisch (und übermüdet) gewesen, dass wir uns das Boot nie genau angesehen und die Osmose, die die Hälfte des Rumpfes aufgefressen hatte, nicht einmal bemerkt hatten.  Wenn man ein Boot kauft, dann ist man natürlich sehr kritisch – in diesem besonderen Fall hatte ich nicht einmal hingeschaut und ärgerte mich nachher noch schwarz über meine Naivität. Ich war einfach davon ausgegangen, dass sicher alles in Ordnung ist.

So wie das Boot aussah, sahen wir keine Chance, schnell ins Wasser zu kommen. Wir schliffen das Antifouling an, stachen einige Blasen auf, und überlegten uns mögliche nächste Schritte. Einfach neues Antifouling drauf und die Osmose vergessen? Nicht so meine Art. Eine umfangreiche Osmosebehandlung starten? Die Reparaturen hätten finanziell und vom Zeitaufwand her alles überschritten, für das wir bereit gewesen wären. Wir wollten ja schliesslich segeln, und uns nicht um eine Baustelle kümmern müssen!

Obwohl es hart war, entschieden wir uns: Das Boot muss gehen. Ein paar Wochen später befanden wir uns also wieder an der Grenze mit denselben Zollbeamten, sammelten wieder Stempel und bekamen zum Glück wenigstens einen Teil des Geldes zurück. Eine intensive, anstrengende aber aufregende Erfahrung. Einerseits waren wir frustriert, andererseits waren wir definitiv mit dem Bootsvirus infiziert. Wir waren so nah dran, ein schwimmendes Zuhause auf dem Zürichsee zu haben, und jetzt schien es wieder weit weg zu sein. Also entschieden wir uns, wieder ein Boot zu suchen. Hoffentlich nächstes Mal mit mehr Glück und vor allem einer gesunden Portion Skepsis!